Die
60er-Jahre
Was bleibt von einem Jahrzehnt, das alles durcheinanderwirbelte? Die Ausstellung sucht Antworten in über 500 Sammlungsstücken aus der Museumssammlung und aus Privatbesitz – und findet sie in erstaunlich konkreten Dingen: dem Blaupunkt-Fernseher mit dem Einschaltknopf für das 2. Programm, dem Konfirmationskleid aus Arnel-Georgette-Polyester, der Vespa, der selbstgenähten Blümchenhose mit Gummizug und der Gitarre Colonel – gespielt vom Gitarristen der Starfyghters. Daneben stehen Parka, Transistor-Megaphon und die Uniform eines niedersächsischen Polizisten: stumme Zeugen des Jugendprotests, der auch Aurich erfasste.
Denn während die Welt zwischen Kubakrise und Mondlandung taumelte, war die ostfriesische Kreisstadt längst kein ruhiger Hafen mehr. Die Bevölkerung war seit 1939 um 75 Prozent gewachsen. An allen Ecken wurde gebaut – Schulen, Straßen, Kanalisation, Industriegelände. Am Wallster Weg entstand die Kondensatorenfabrik WIMA, am Ostertor eröffnete der erste ALDI-Supermarkt, und das Kreiskrankenhaus wurde zum größten Bauprojekt der Stadt. Der Kreis Aurich exportierte in alle Welt – der Export war in zehn Jahren von null auf 147.000 DM gewachsen, die Gewerbesteuereinnahmen hatten sich in fünf Jahren mehr als verdoppelt.
Draußen in der großen Welt diktierte die Blue Jeans den Generationsbruch. Plastik galt als Material der Zukunft, Nylon, Perlon und Dederon eroberten die Kleiderschränke. Mao rief zur Kulturrevolution, Breschnew ließ den Prager Frühling in zwei Tagen niederwalzen, Che Guevara wurde zum Märtyrer. In Aurich gingen Schülerinnen und Schüler gegen die Notstandsgesetze und den Axel-Springer-Verlag auf die Straße. Wer sich damals kritisch mit der NS-Vergangenheit der Elterngeneration auseinandersetzte, riskierte Ausgrenzung.
Und dann, am 21. Juli 1969, schaute die ganze Welt gebannt auf denselben Moment: die Mondlandung. „Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.“ Ein Satz, der das Jahrzehnt auf den Punkt brachte – und mit dem die Ausstellung endet.